GRÜNER ALLTAG MIT BABY – DIE ERSTEN WOCHEN

Zugegeben, der Alltag ist in unser Leben seit der Geburt unseres Sohnes noch nicht wieder eingekehrt. Wir versuchen zwar einen Tagesrhythmus hinzubekommen, sind aber noch weit von einer Routine entfernt. Daniel hatte die ersten vier Wochen Urlaub, um Zeit mit dem Kleinen zu verbringen und um mir die Erholung von der Geburt zu erleichtern.

Anne Daniel und Lars einen Tag nach der Geburt

 

Krankenhausaufenthalt

Weder Daniel noch ich wussten mit einem Neugeborenen umzugehen. Daher verbrachten wir die ersten beiden Tage im Krankenhaus. Anfangs war es beruhigend immer jemanden für Fragen zur Verfügung zu haben. Trotz Familienzimmer – so konnte Daniel die ersten Tage komplett miterleben – war die Umgebung jedoch alles andere als ideal: hohe, schmale Krankenhausbetten bei denen wir Angst hatten, Lars könnte herauspurzeln wenn er bei uns lag, störende Visiten, eine große Fensterfront die bei -14 Grad nachts das Zimmer auskühlen ließ, veganes Essen, das zwar ganz lecker aber leider nicht stillfreundlich war.

Nützliche Dinge aus meiner Kliniktasche waren ein Metallstrohhalm, um besser im Liegen trinken zu können, Studentenfutter, Breze und Apfel für die nächtlichen Hungerattacken, mein bequemes und vertrautes Kopfkissen von daheim, Badelatschen, eine lockere Jogginghose, mehrere weite T-Shirts, ein dicker Pulli, Kontaktlinsen und Zahnbürste.

Am ersten Abend daheim mit Baby fühlte es sich großartig an wieder angekommen zu sein. Aber ich war natürlich auch unsicher und so erinnerte ich mich an den guten Tipp einer erfahrenen Hebamme aus dem Krankenhaus: „Neugeborene sind perfekt mit Reflexen und Intuition ausgestattet und wir als Eltern müssen hauptsächlich beobachten und uns von dem kleinen Wesen leiten lassen.”

Familienzimmer im Suedklinikum Nuernberg

 

Stillen

Vermutlich funktionierte das Stillen bei uns auf Anhieb so gut, weil ich den Kleinen gleich nach der Geburt einmal an jeder Seite anlegen konnte. Die Eindrücke und Erlebnisse der ersten zwei Lebensstunden merken sich Neugeborene besonders gut.

Die ersten Tage verwendete ich zudem kein Deo und keine Seife, sondern nur Wasser zum Waschen, um den Kleinen in seiner sensiblen Geruchswahrnehmung nicht zu irritieren. Als schönen Nebeneffekt konnte ich den süßlichen, nektarartigen Geruch von meinem Baby ungestört wahrnehmen – und fand ihn zum Anbeißen.

Meine wunden Brustwarzen, die sich zu Beginn an die Strapazen des Stillens gewöhnen mussten, behandelte ich mit Muttermilch, indem ich nach jedem Stillen ein paar Tropfen ausstrich, auf der Brustwarze verteilte und trocknen ließ. Vom Krankenhaus bekam ich zudem reine Lanolin Salbe (Wollfett, nicht vegan), die in der ersten Woche sehr hilfreich war.

Da ich noch keinen Still-BH hatte, ließ ich mir im Krankenhaus ein CTG Band geben. Inzwischen habe ich einen Still-BH den ich tagsüber anziehe wenn Besuch kommt oder wenn ich unterwegs bin. Nachts und daheim fühle ich mich ohne BH am wohlsten.

Stilleinlagen aus Wolle und Seide habe ich mir in der Schwangerschaft bei Kinderreich gebraucht gekauft. Ich verwendete sie am Anfang öfter, inzwischen aber kaum noch.

 

Stoffwindeln

Eigentlich hätte ich gerne von Anfang an Stoffwindeln verwendet. Trotz Neugeborenengröße waren die Überhosen sehr groß für unseren zarten Lars. Im Krankenhaus hätten wir Mullwindeln haben können und es kam eine interessierte Hebamme, die unser Stoffwindelsystem musterte. Im Nachhinein ärgere ich mich ein bisschen, dass wir es nicht gleich ausprobiert haben. Wir waren einfach zu müde und geschafft für noch mehr Neues.

Nach den ersten fünf Tagen – und einem deprimierenden Müllberg an Wegwerfwindeln – probierten wir zuhause die Stoffwindeln aus und waren sofort begeistert. Wir falten die Mullwindeln zu einem Dreieck mit Steg, legen sie dem Kleinen an und ziehen die Polyurethan beschichtete Polyesterjersey Überhose darüber. Das System hält besser dicht als Wegwerfwindeln und ist trotzdem ein bisschen atmungsaktiver. Zum Säubern des Babypopos verwenden wir Waschlappen. Momentan haben wir 34 Mullwindeln, 30 Waschlappen, 5 Neugeborenen Überhosen und 4 Mitwachs-Überhosen. Wir waschen die Windeln alle 2-3 Tage in der Waschmaschine bei 40°C oder 60°C im Baumwoll bzw. Koch/Buntwäsche Waschgang mit unserem selbstgemachten Kastanienwaschmittel und einem Esslöffel Natriumpercarbonat (Fleckensalz). Mich persönlich stört es nicht so sehr, öfter zu waschen, da Waschen die einzige Hausarbeit ist, die mir aus unerfindlichen Gründen Spaß macht.

Bei der U3 Untersuchung kommentierte die Kinderärztin unsere Stoffwindeln mit: „Das ist ja überhaupt nicht so kompliziert wie man es sich vorstellt“.

Baby mit Stoffwindel

 

Windelfrei

Bei den allerersten nassen Windeln im Krankenhaus schrie unser Lars wie am Spieß. Jedoch gewöhnte er sich schnell an die Wegwerfwindeln, die die Haut relativ trocken halten. Unter den Plastikbündchen bildeten sich aber bald rote Stellen auf der Haut.  Inzwischen verwenden wir Stoffwindeln und haben uns angewöhnt, den Kleinen bei jedem Wickeln in Hockstellung über dem Waschbecken abzuhalten. Schon nach den ersten drei Versuchen hatte er verstanden was wir von ihm wollen. Inzwischen klappt es fast jedes Mal und hilft auch gut gegen sein Bauchweh. Durch Beobachten und frei strampeln lassen fanden wir heraus wie oft der Kleine muss, konnten aber bisher nur bedingt ein Muster und Vorwarnsignale erkennen. Daher trägt er erstmal weiterhin Stoffwindeln.

Trotz häufigen wickelns, abhaltens und Stoffwindeln hatten wir leider schon mit einem Wunden Po zu kämpfen. Es hat geholfen, den Kleinen jeden Morgen im Bad 10-20 Minuten „unten ohne“ strampeln zu lassen, damit viel Luft an die Haut gelangt, und wir betupfen gerötete Stellen gelegentlich mit Olivenöl.

 

Wochenbett

Ich nahm doch die restlichen „schicken“ Netzunterhosen aus der Klinik mit und verwendete sie auch daheim, nachdem die Klinik das restliche Zimmerequipment, sowieso entsorgen muss. Mein Plan war es eigentlich mir ein paar von Daniels Boxershorts zu leihen, was dann natürlich nicht mehr nötig war. Für den Wochenfluss verwendete ich atmungsaktive Einwegeinlagen. Ich funktionierte unseren Putzeimer temporär zum Mülleimer um. Es ist für mich inzwischen so selbstverständlich geworden (fast) keinen Müll zu produzieren, dass ich erschrocken war über den Müllberg und den Anblick der vollen Restmülltonnen im Haus, als ich den Müll wegbrachte.

Mir ging es so gut, dass ich mich in den ersten Tagen nach der Geburt ein wenig übernahm und meine Nachsorgehebamme mich öfter zur Ruhe ermahnen musste. Der Körper braucht einfach Zeit zum Heilen. Vor allem meine Rücken- und Bauchmuskeln schmerzen immer noch beim längeren Sitzen, Stehen und Gehen.

Meine vegane Ernährung trug dazu bei, dass mein Eisenwert nach der Geburt außergewöhnlich gut war. Auch meine Muttermilchmenge ist mehr als ausreichend, so dass ich unseren Lars voll stillen kann und er schon nach fünf Tagen sein Geburtsgewicht überschritten hatte. Ich selbst wog kurz nach der Geburt 49 kg und hatte damit knapp die Hälfte der zugenommenen 13 kg wieder los. Das Essen von möglichst wenig gesättigten Fettsäuren hilft außerdem dabei Milchbläschen und Milchstau vorzubeugen. Lediglich mit Hülsenfrüchten bin ich vorsichtig, da unser Kleiner darauf verstärkt mit Blähungen reagiert.

Bald kündigten sich die ersten Besucher an. Ich fühlte mich noch unsicher im Umgang mit dem Neugeborenen. Letztendlich fand ich den Besuch dann sehr schön, aber doch anstrengend und so limitierten wir Besuche anfangs auf kurze 1-2 Stunden damit wir alle genug Ruhe bekommen.

 

Babyequipment

Mit unserer minimalistischen Babyausstattung sind wir zufrieden. Lediglich ein Tragetuch haben wir zusätzlich gekauft, weil unser Spatz einfach noch zu klein für die Tragehilfe ist. Damit unser Lars gut im Beistellbett schläft, wärmen wir es abends mit einer Wärmflasche an. Später in der Nacht lassen wir ihn manchmal mit uns im Bett schlafen, weil keiner von uns Lust hat eine frische Wärmflasche zu machen. Der Kleine war die ersten Wochen wirklich sehr wärmebedürftig.

Wir stellen definitiv fest, dass ein Baby erstmal nicht viel braucht. Was werdende Eltern alles anschaffen, ist oft eher für sie selbst wichtig als für das Baby.

Baby im Tragetuch

 

Glückwünsche & Geschenke

Wir haben Verwandten und Freunden nicht ausdrücklich gebeten uns keine Dinge für den Kleinen zu schenken. Die meisten kennen uns jedoch genau und so bekamen wir gut überlegte Geschenke, hauptsächlich Babyklamotten und Geld und freuten uns über Glückwunschkarten sowie digitale und telefonische Grüße.

 

Die ersten Tage war ich wie verzaubert von unserem kleinen Wunder und beschloss, mir so oft wie möglich ins Gedächtnis zu rufen ihn nicht für selbstverständlich zu halten und jede Minute zu genießen.

Natürlich gibt es auch nervenaufreibende Augenblicke. Wenn der Kleine schreit, versuche ich entspannt zu reagieren, denn er darf ruhig mitteilen wenn ihm etwas nicht passt. Unser Lars schrie zum Beispiel die ersten Nächte jeweils pünktlich um 0:23 Uhr los, was sicher mit dem Verarbeiten der Geburt zusammenhing.

Kaum etwas verändert den gewohnten Alltag so sehr wie ein Baby und macht einem den Wert des Lebens bewusst und wie sinnvoll es ist, sich täglich für mehr Nachhaltigkeit einzusetzen. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Momenten im Leben.

Habt ihr Tipps um den Alltag mit Baby nachhaltiger zu gestalten?