MEIN BABY ISST VEGAN

Als Eltern übernehmen wir für unsere Kinder viele Entscheidungen, unter anderem auch, was wir ihnen zu Essen und Trinken anbieten.

 

Vegane Stillzeit

Meine Motivation mich pflanzlich zu ernähren basiert darauf Leid zu vermeiden, die Umwelt zu schützen und gesund zu leben. Die eigene Muttermilch erfüllt alle diese Kriterien! Für mich ist es selbstverständlich, auch als Veganerin, mein Baby zu stillen. 

Für mich wäre es absurd, einer anderen Mutter das Kind wegzunehmen, um ihre Milch meinem Baby zu geben. Jede Mutter sollte nachvollziehen können wie schlimm das für sie wäre. Auch wenn es sich um eine andere Spezies handelt wie Mutterkuh und Kälbchen.

Ich selbst ernähre mich während der Stillzeit weiterhin rein pflanzlich, was mir auch schon während meiner veganen Schwangerschaft gut getan hat. B12 substituiere ich als Nahrungsergänzungsmittel.

 

Pluspunkte fürs Stillen

  • Nur die menschliche Muttermilch ist perfekt auf Menschenbabys abgestimmt
  • Muttermilch ist kalorienreich (etwa 70 kcal auf 100ml)
  • Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe
  • Muttermilch ist sehr gut verträglich
  • Die in der Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe unterstützen das Immunsystem des Kindes
  • Stillen stärkt die Mutter-Kind-Bindung
  • Stillen ist gleichzeitig kuscheln, Trost spenden und entspannen
  • Muttermilch ist immer verfügbar
  • Muttermilch ist kostenlos
  • Es ist kein Equipment nötig
  • Das Stillen befriedigt den kindlichen Saugreflex, so dass kein Schnuller nötig ist

 veganes Baby Mutter-Kind-Bindung durchs Stillen

 

Langzeitstillen

Zu unserem Glück ist Stillen in Deutschland wieder „in”. Ich bin positiv überrascht, dass ich bisher weder im Familien- und Freundeskreis noch in der Öffentlichkeit fürs Stillen kritisiert wurde.

Einen festen Zeitpunkt, zu dem ich abstillen möchte, habe ich mir nicht gesetzt. Ich verlasse mich da voll auf meine und Lars Intuition und auf unsere Lebenssituation. Wenn ich ab Januar wieder arbeiten gehe, kann ich morgens, abends und nachts stillen.

Ab und zu empfinde ich das Stillen als lästig. Es passt eben leider nicht immer in unser modernes Leben. Doch mein Kind mit meiner Muttermilch ernähren zu können, ist für mich ein wundervolles Geschenk der Natur. Muttermilch ist ein einzigartiges Nahrungsmittel für den Start ins Leben.

 

Veganer Babybrei und Beikost

Lars bekam seinen ersten Brei mit fünfeinhalb Monaten. Weil er sich sehr für unser Essen interessierte, aber auch, weil ich glaubte frühzeitig beginnen zu müssen, damit der Übergang zur Krippe später gut klappt. Im Nachhinein würde ich vermutlich etwas später mit dem Brei beginnen.

Angefangen haben wir im Sommer mit Zucchinibrei am Mittag:

  • 100g Zucchini,
  • 50g Kartoffeln und
  • 10g Goldhirse weich kochen, dann
  • 1 EL Rapsöl und
  • 3 EL Saft dazu geben und alles zu Brei pürieren

Beim ersten Probierbrei Kartoffeln und Hirse noch weglassen und erst nach etwa einer Woche erfolgreichen Breiessens hinzunehmen. Wir froren gleich einige Portionen ein, so dass wir nicht täglich Brei kochen mussten. Jeden Tag aß Lars etwas mehr und wir wechselten das frische, saisonale bio Gemüse immer mal wieder ab. Alles lief mustergültig.

Und so führten wir nach einem knappen Monat den Abendbrei ein:

  • 20g Haferschmelzflocken mit
  • 100 ml heißem Wasser aufgießen
  • 3EL Saft oder Fruchtpüree dazu geben
  • 1 TL Rapsöl und
  • 1 TL Mandelmus einrühren

Gelegentlich rührte ich den Brei auch mit Muttermilch statt mit Wasser an. Lars präferierte den Abendbrei und aß seit dem mittags oft etwas weniger.

 

Dann kamen die ersten Zähne. Vorbei war es mit dem schönen Essensrythmus! Im Sommerurlaub merkten wir, dass Lars gerne seine Zähne ausprobierte und am liebsten genau das essen wollte, was wir essen.  Daher startete er im Urlaub mit Brot/Brötchen zum Frühstück bzw. als Nachmittagssnack: Erst blank und später dünn mit Mandelmus bestrichen, in Stücke geschnitten und bei härterem Brot kurz in Saft gedippt.

Obst, weich gekochtes Gemüse und Brot waren in – Brei war out. Lars lernte immer mehr Nahrungsmittel kennen und wurde wählerischer was ihm schmeckte und was er gerade haben wollte. Er verträgt alles gut, von Avocado über grüne Bohnen (gutes Fäustchenfood) bis hin zu Linsenpüree und Mangold. Wenn er Hunger hat, isst er nun wieder gerne Brei, inzwischen mittags auch mal mit weich gekochten Suppennudeln oder Couscous angereichert.

Die meisten Babys starten als kleine Veganer, mit Gemüsebrei, in die Beikost. Zu Beginn ist das Essen parallel zum Stillen eher eine neue Erfahrung als ein Sattmacher. Später ist es wichtig, eine abwechslungsreiche Kost zu bieten und gut zu kombinieren, damit Vitamine und Nährstoffe aufgenommen werden können. Gute Kombinationen sind zum Beispiel Vitamin C und Eisen oder auch Gemüse und Öl, da einige Vitamine fettlöslich sind. Vitamin B12 sollte bei veganen Kindern substituiert werden. 

Wir können uns wirklich glücklich schätzen, welch eine riesige Lebensmittel Auswahl wir haben. Auf Empfehlung einer Freundin habe ich mir das Buch „Veggie-Baby“gebraucht gekauft und die Rezepte und Infos gefallen mir (und Lars) gut.

veganes Baby isst gekochte Karotte

 

Ideale Tage gibt es zwar nicht viele. Wenn es klappt sieht ein idealer Essenstag bei Lars momentan so aus:

  •   6:30 Uhr: Morgens im Bett stillen und kuscheln
  •   7:45 Uhr: Haferbrei und/oder Obst, z.B. weiche Birnenstücke als Frühstück
  • 11:00 Uhr: Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei, anschließend wickeln und stillen in den Mittagsschlaf
  • 15:30 Uhr: Snack aus Brot mit dünnem Aufstrich z.B. Rapsöl, Mandelmus, Gemüseaufstrich, dazu Obst oder Obstsaft
  • 18:30 Uhr: Getreide-Obst-Mandelmus-Brei
  • 19:30 Uhr: Stillen zum Einschlafen,
  • 19:30 – 6:30 Uhr : nachts Stillen nach Bedarf

 

Essen in der Kinderkrippe

Drei Wochen vor dem Krippenstart waren wir wieder bei 80% Stillen. Wegen einer Erkältung mit Ohrenentzündung gewöhnte sich Lars erneut an das viele Muttermilch Trinken. Allerdings war ich froh, ihn so viel stillen zu können, denn während er krank war wollte er fast nichts essen und brauchte Trost. Viel Schlaf und Muttermilch halfen ihm, gerade so am Antibiotikum vorbeizukommen.

Das Essensthema stresste mich zunehmends. Jedoch muss ein Baby im ersten Jahr eigentlich nicht viel anderes zu sich nehmen als Muttermilch. Und Lars wuchs prächtig. Er hatte sein Geburtsgewicht verdreifacht bevor er zehn Monate alt wurde. Also beschloss ich entspannt zu bleiben! Wenn Lars in der Krippe mit den anderen Kindern isst, wird er sich schnell daran gewöhnen.

In der Krippe wird Lars nicht komplett vegan essen, obwohl die Ernährung dort zum Glück sowieso sehr pflanzenlastig ist. Wo es ohne großen Aufwand geht, sorgen die Betreuer für eine vegane Alternative. Wir möchten ihnen aber nicht zu viel Mehrarbeit zumuten und Lars nichts verbieten, wenn er sich selbst Essen nimmt oder etwas probieren möchte.

 

Trinken

Lars trinkt Leitungswasser. Unser Leitungswasser haben wir während meiner Schwangerschaft testen lassen – es ist einwandfrei. Selten probiert Lars einen Schluck Tee oder Saftschorle aus meinem Glas. Das Trinken aus Schraubgläsern, z.B. Marmeladengläsern, hat sich bei uns bewährt, denn es läuft kaum Wasser am Rand herab und wird verschüttet.

veganes Baby trinkt aus Marmeladenglas

 

Jede Mutter will nur das allerbeste für ihr Kind! Wenn Lars alt genug ist, das Thema Ernährung zu verstehen, kann er selbst wählen. Das vegane Essen Zuhause bleibt für ihn dann hoffentlich ganz selbstverständlich. 

Welche veganen Gerichte essen eure Babys/Kinder besonders gern?